29
Nov

Bild: Peter Waibel

23

28
Nov

28.11.2002

Im Frühjahr und Sommer 1996 drehten acht Amateurgruppen in Biberach an der Riß Videofilme über Themen, die mit ihrem Leben in der Großen Kreisstadt zu tun hatten. Einer dieser Filme schilderte auf eindringliche Weise das Leben Obdachloser, die es auch in dieser Stadt gab und gibt, ein anderer die Hiphop-Szene, ein dritter, den der Philosoph Kraft und sein kleines Team herstellten, beschäftigte sich mit dem Wirken Hugo Härings, dem bedeutenden Architekten und Architekturtheoretiker der zwanziger und dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts. (Der, als er mitten im Krieg nach Biberach, seiner Heimatstadt, zurückgekommen war, enttäuscht von seiner Erfolglosigkeit, in die er in den Jahren der Nazi-Diktatur hineingeraten war, eine Sammlung von Gemälden des Suprematisten Kasimir Malewitsch, die der Künstler, als er überhastet in die Sowjetunion abgereist war, ihm in Berlin zur Aufbewahrung nach einer Ausstellung übergeben hatte, nach Biberach mitgebracht und, wie die Legende sagt, unter seinem Bett in der Ehinger Straße versteckt hatte. Später hatte Häring die Bilder für eine Jahresrente von DM 10 000 an das Stedelijk-Museum in die Niederlande verkauft. Er hatte von dieser Vereinbarung jedoch nichts gehabt, denn ein Jahr danach war er gestorben.) Diese acht Filme stellten das Ergebnis eines Medienprojektes dar, das der Kulturdezernent der Stadt, Dr. Biege, angeregt hatte und das mit der Landesbildstelle und der Landeszentrale für politische Bildung durchgeführt wurde. Vierzehn Gruppen waren es zu Beginn gewesen, acht erreichten das Ziel. Ihre unterschiedlich langen Videos waren ein Programmteil des ersten Abends der Filmtage jenes Jahres. Alle wurden hintereinander im „Urania“-Kino gezeigt. „Lost in Illusions“, die Ausgestaltung der Idee, die mir in den Kopf gekommen war (und das der jungen Regisseurin L. und unseres nie ermüdenden vielköpfigen Teams) war in dieser Reihe der letzte Film des Abends. Bevor ich ins Kino zur donnerstäglichen Arbeit gegangen war, hatte ich einen schönen Strauß Blumen gekauft; zur Premiere unseres „Strauß“-Films. Den hatte ich in ein Gefäß, das ich mir im „Sternchen“ ausgeliehen hatte, gestellt, deponierte ihn im Treppenhaus. Jenes Filmfest begann wegen der Biberacher Filme sofort mit vielen Besuchern. Die Filmteams durften unentgeltlich ins Kino. Unsere Namensliste war wohl die umfangreichste. Ich machte meine Arbeit, während die Filme der anderen Gruppen mit einem Videobeamer auf die Leinwand geworfen wurden. Als dann mein Film – „mein Film“, durfte ich an diesem Abend sagen, sagte aber lieber „unser Film“ – an der Reihe war, sagte ich A.K., daß ich mir natürlich meinen Film im Saal ansehen werde. Er sah mich mißbilligend an; wer, bitte, sollte denn die Arbeit in dieser Stunde und danach tun? Er sprach es nicht aus, ich wußte freilich, was er dachte. War mir wurscht. Ich stellte mich hinten an der rechten Eingangstür in den Saal. Ich war im Kino, ich war im Film. Der Streifen gefiel mir nicht übel. Zweiundvierzig Minuten lang konnte ich den selbstquälerischen Spaziergängen des Schriftstellers Lost aus Berlin durch Biberach und seinen Albträumen zusehen. Als das Licht im Saal langsam anstieg, gab ich den Blumenstrauß, den ich zwischendurch aus dem Treppenhaus geholt hatte, unserem Mann für die Continuity und die Klappe, Raphael S.; wir hatten uns abgesprochen, daß er die Blumen unserer Regisseurin überreichen solle. Der hübsche große blonde Raphael ging nach vorn und überreichte den geschmackvollen Blumenstrauß. Applaus. Ich stellte mich vorn neben die Regisseurin und Kamerafrau. Wir sagten ein paar Sätze zur Idee und Herstellung des Films. Nach einer Viertelstunde verließ das Publikum den Saal. Ich widmete mich wieder der Arbeit. Der junge Sohn des ehemaligen Oberbürgermeisters H. sprach mich im Foyer, wo ich Plakate auswechselte, an, beglückwünschte mich zu „meinem“ Film. Nach einer Weile hatte ich aber doch das Bedürfnis, noch ein paar Äußerungen dazu zu hören, beendete die Arbeit und betrat das vierkantige Zelt, das – eine Errungenschaft der Mittneunzigerjahre erst – im Hof aufgestellt worden war, in dem das Kinovölkchen sich verköstigte und seine Meinungen austauschte. Bald stand ich, umgeben von Leuten, die mich kannten, an einem der „Bistrotische“ und berichtete Amüsantes von den Dreharbeiten. Denn das hatten wir auch gehabt, nicht nur Ärger. Ich unterhielt mich dann mit Raphael. Er fuhr mich im BMW seines Vaters in die Amriswilstraße, später. Am Tag danach beklagte sich A.K., er habe, bei allem, was um ihn herum sei, auch noch bis spät meine Arbeit tun müssen. Vielleicht hatte es ihm auch nicht behagt, daß sein Filmvorführer plötzlich, in fortgeschrittenem Alter, nach so vielen Jahren treuer Dienste, noch eigene Ambitionen zeigte. Am 2. Dezember 96 kündigte ich mündlich meinen Job, schriftlich einige Zeit danach.
- Novemberstimmung, grau in grau.
28.11.2002

27
Nov

Bild: Peter Waibel

3

26
Nov

26.11.2002

Der Spätherbst 1988 war kalt. Als gegen Ende des Novembers die alljährlichen Filmfestspiele begannen, hatte es schon geschneit, der Schnee, oder das, was von ihm übrig geblieben war, verkrustet, verharscht, die Nächte waren frostig. Der Filmtheaterbesitzer und ich dekorierten am Vorabend des Trubels die großen Schaukästen im „Urania“-Foyer mit Plakaten und Filmbildern der zu zeigenden neuen Produktionen, so wir wir es in den Jahren davor getan hatten und auch in denen danach, und an manchen Filmfesttagen, die an den Totensonntagen endeten, in fast jedem Jahr an diesem Wochenende ausliefen, ohne abendliche große Feier wie seit der Mitte der neunziger Jahre, auf der nun diverse seltsame Preise vergeben werden, klebten wir mit Tesafilm auch die großen Foyerfenster zur Straße hin mit Plakaten zu, und diese Fenster waren in jenen Abenden im Jahr 1988 zur Hälfte mit einer feinen Eisschicht überzogen, so daß von außen die an den Innenseiten der Fenster hängenden Plakate, die ich in ruhigeren Minuten ab und zu mit frischen Tesafilmstreifen zwei- und dreimal wieder richtig befestigte, wenn ihre Ecken heruntergefallen waren, nur als bunte Flecken zu sehen waren, denn im Foyer herrschten, auch wegen des ständigen Türauf-Türzu, kühle Temperaturen, die oberen großen Scheiben wurden nicht stark genug erwärmt, um den Frostbelag abschmelzen zu lassen, wie es der Leuchtröhrenwärme in den unteren, auf Augenhöhe eines draußen stehenden Filmplakatbetrachters liegenden Fenstern gelang. Welche neuen deutschen Filme dieses Filmfest – zu den „Biberacher Filmfestspielen“ reisen übrigens bis heute keine Kritiker überregionaler Zeitungen an, „die Mafia“, wie professionelle Kritikaster im Hause K. gern genannt werden, sind nicht erwünscht, nur unmittelbar an den Filmen beteiligte Personen, und ein paar auch nicht mehr ganz junge Filmbeurteiler aus verschiedenen europäischen Ländern, und natürlich auswärtiges Publikum, haben Zutritt – im Jahr 88 zeigte, ließe sich herausfinden, interessiert mich jetzt jedoch nicht, nur daß in der Filmfestspielwoche auch in einer für spätnachts angesetzten Vorstellung, nach den Festivalfilmen, Martin Scorceses Film „die letzte Versuchung Christi“ gespielt wurde; in der ersten regulären Einsatzwoche dieses Films, ist nun relevant. Schon bevor er anlief, hatten auch in der BRD, wie im Sommer in den USA, katholisch-sektiererische Organisationen heftig gegen ihn protestiert, wg. Blasphemie etc., und wütend-fanatische Reaktionen gab es nun in Biberach. Die Filmtage begannen, Filmleute aus der Republik trafen ein, die ersten Vorstellungen fanden statt – vor dem Kino, in der Saudengasse, auf der gegenüberliegenden Seite der schmalen Straße, sammelten sich Leute an; die aber keine Filmfans waren, sondern Mitglieder der Medjugorje-Sekte, eine von der römisch-katholischen Kirche geduldete Vereinigung zur Verehrung der in Medjugorje (Bosnien-Herzegowina) am 2. August 1987 dortselbst erschienenen Mutter des Heilands, und diese Religiösen, angeführt von einem jungen Grafen aus einem Schloß in Mittelbiberach, einer unmittelbar westlich der Stadt angrenzenden ländlichen Gemeinde, hatten sich zusammengefunden, um betend und knieend gegen den lästerlichen Film des amerikanischen Regisseurs vorzugehen; einen langweiligen, ästhetisch unbefriedigenden Film by the way, aber das konnten sie nicht wissen, weil sie ihn nicht anschauen durften und ohnehin sah diese Gemeinschaft grau und schwarz vermummter Gestalten, die stundenlang, bis zum Ende der nächtlichen Vorstellungen, verharrte, nicht aus, als hätte sie kinobegeisterte Mitbürger in sich gehabt. Mancher Filmmensch, Macher oder nur Gucker, stand vor den halbdurchlässigen Foyerfenstern, und am Fenster oben vor dem Eingang zum „Sternchen“, und blickte fasziniert-befremdet auf diese murmelnden, sich kaum bewegenden Gestalten hinunter, die sich wie Wesen aus einer anderen Welt, aus einem anderen Film herausgetreten vielleicht, auf dem gegenüberliegenden Gehweg verkörpert hatten, stehend, knieend; lange mit Kerzen, die in kleinen Gefäßen flackerten, in den Händen auf dem von Eisresten, über die hin und wieder Polarschneeflocken aus der Nacht schwebten, umrandeten Asphalt knieten, sich erhoben, wieder niederknieten. Der Filmfestveranstalter, von seinen Freunden aus den großen Städten und nördlicheren Gegenden auf dieses seltsame Schauspiel angesprochen, lächelte gequält ironisch; Morddrohungen habe er erhalten. Nach drei Nächten, oder vier, der Film lief noch zwei Wochen nach dem Filmfest, war der graue Spuk verschwunden. Dann wurden Wände und Fenster mit nicht weniger eigenartigen Zeichen beschmiert; waren es Wände in Biberach oder in Babylon? Polizei durchsuchte nach Attentatsankündigungen die Kinosäle. Nichts fand sich aber. Christlich-fundamentalistischer Terror kam auch durchs Telefon. Verwünschungen drohten, Tiraden schwallten. Dunkle Worte. Es blieb kalt.
- Vormittags hell. Mittags regengraue Einfärbung.
26.11.2002

25
Nov

25.11.2002

Stand das Christkind schon halb in der Tür, stand in den sechziger Jahren, und ich denke nun an die Mitte des mit Kaltem Krieg, Rock- und Popmusik, Pop-Art, Frankfurter Schule, „sexueller Revolution“, wie sie Beate Uhse und Oswald Kolle definierten, den politischen Morden an den Kennedys und Martin Luther King, die die Welt zwar nicht sonderlich erschütterten, nur beunruhigten, Ghettokämpfen, Black Panthers, „Studentenunruhen“, Drogen, die in Mode kamen, Astronauten und Kosmonauten, Godard- und Kluge-Filmen und ausstaffierten Jahrzehnts, auch in Oberschwaben und in Biberach die „Schlesische Weihnacht“ an. Sie wurde im großen Saal des Kolpinghauses, einem der größten Veranstaltungssäle der Stadt, gefeiert. Ich erinnere mich noch an einen anderen Ort, an einen anderen Saal, in einer Gaststätte vermutlich, wo dieses Fest der Ober- und Niederschlesierinnen und -schlesier in vorweihnachtlicher, doch, wie ich wußte, nie ganz intrigenfreier Stimmung in meiner frühen Kindheit stattfand, vermag die schattenhaften wenigen Szenen, die mir zwischen den Synapsen baumeln, wenn ich sie bewußt abrufe, aber nicht an einem genau zu nennenden Platz zu lokalisieren. Drei oder vier dieser Abende – mittelalte Menschen gingen, standen, saßen in Schlesischen Trachten herum – im Kolpinghaus-Saal, in dem ein großer Tannenbaum, der mit weiß-flauschigen Hängebrücken zwischen den Zweigen und güldenen Kugeln versehen worden war, vor der Bühne an dem einen Ende des Saals stand, und Tannenzweige und Früchte lagen auf den langen, mit bunten Kerzen und Strohsternen geschmückten und mit weißen Tischdecken überspannten Tischen, ließ ich über mich ergehen; am Ende des Jahrzehnts war ich dort nicht mehr anzutreffen. Später am Abend sang dann Herr M. in der Uniform der schlesischen Bergmänner und trug so zur Unterhaltung und Erinnerungskultur bei. Meine Mutter trug in solchen Stunden ihre Oberschlesierinnentracht aus weißen Rüschengewändern und einer weißen Rüschenhaube. Diese Tracht hatte sie freilich nicht mit auf die Flucht genommen; sie wurde in Biberach oder vielleicht auch anderswo, vielleicht in Stuttgart, nach Originalschnitten angefertigt. Es war die Hochzeit der ehrenamtlichen Tätigkeit meiner Mutter, die in diesen paar Jahren auch – 1962 war sie vierzig Jahre alt geworden – ihre besten Jahre hatte, wie ich in späterer Zeit vergleichen konnte; wie ihre Seelenverfassung in ihren Mädchenjahren in Hirschrode und Neumittelwalde, der kleinen, kaum viertausend Einwohner beherbergenden Kreisstadt nahe der polnischen Grenze, in die sie häufig „mit dem Fahrrad“, wie sie mir einmal erzählt hatte, gefahren war, sich verhalten hatte, entzieht sich meines Wissens, sie sprach nie viel von den Zeiten in ihrer Heimat, nur daß sie den einen oder anderen Liebhaber, in ihrem Alter oder etwas älter, nicht aus der Tür gewiesen habe, das hörte ich hin und wieder, wenn, im Kreis der Verwandtschaft der L.s, ihrer Freundinnen, verheirateten Freunde und Bekannten, die fast alle aus den „Ostgebieten“ stammten, die sich in Biberach und Umgebung angesiedelt hatten, die Rede auf Oberschlesien, Pommern, Polen kam. Ich fragte sie nie nach diesen Vorgängern meines Erzeugers; wie viel hatten diese Techtelmechtel ihr bedeutet? Sogar zwei Fotos von diesen Freunden, die vielleicht ja nur harmlose Begleiter gewesen waren, was ich aber nicht ganz glauben wollte, obwohl mich dieses Thema gar nicht interessierte, hatte sie bewahrt. Nur sehr selten schnappte ich, diesen Gesprächen mit höflicher Gelangweiltheit halb zuhörend, und ich saß ja auch nicht immer dabei, sondern verdrückte mich dann oft in das kleine, damals als Abstellraum benützte Zimmer, eine Nebenbemerkung auf, die mir sagte, daß sie dann der Überlegung, es wäre ihr besser ergangen, hätte sie eine andere Partnerwahl getroffen, ein bißchen Raum gab, aber rasch verschwand immer dieses Nachsinnen, und diese Reminiszenzen der in der Runde sitzenden Männer und Frauen – beispielsweise am Abend der „Schlesischen Weihnacht“ – wichen allmählich dem Tratsch über die gegenwärtigen Befindlichkeiten in einer Mundart, die ich zwar verstand, die in Oberschwaben aber nur bei solchen größeren und kleineren Zusammenkünften zu hören war, und die – auch Oberschwaben auf den Straßen – ahnen ließ, daß Deutschland vor zwei Jahrzehnten noch anders ausgesehen hatte, größer gewesen war, auch vor der Tyrannei des Anstreichers aus Braunau, und in der oberschwäbischen Luft wie eine Erinnerung an ferne und sehr fremd gewordene Regionen schwang. Meine Mutter schrieb, als humorvolle Beiträge zu diesen Feiern und zu anderen in anderen Jahreszeiten, die der Faschingszeit vornehmlich, mehrstrophige Reimgedichte, in denen Personen und Ereignisse des vergehenden Jahres – oder des schon vergangenen – „auf die Schippe“, wie eine Redewendung , die ich doch nun seit vielen Jahren nicht mehr benutzt habe, lautet, genommen wurden. Mir oblag es, die zunächst handschriftlich verfaßten Texte auf der Olivetti-Reiseschreibmaschine abzutippen, und als ich, seit 68, mit allen zehn Fingern die schwarzen Tasten bedienen konnte, erst recht. Ihre Reime holperten in manchen Versen, und wenn es mir gefiel, machte ich diese flüssiger, nahm ein Wort fort oder setzte eines hinzu, oder ersetzte eines durch eines mit ähnlicher oder genauerer Bedeutung, damit alles im Rhythmus blieb. Damals las ich fast nie Gedichte, mein Interesse galt Romanen, der Prosa, auch wenn sie in manchen Elaboraten noch so beschissen war. Und diese vier letzten Wörter des letzten Satzes sind mir eben in den Sinn geraten, weil in die plötzliche Anwesenheit der Westernheftlektüre mir gleichzeitig der Spruch von „Cheyenne“, gespielt von Jason Robarts, im Sergio Leone-Epos „Spiel mir das Lied vom Tod“ eingefallen ist, an der Stelle im Film, wo er, der Banditenchef, seinen Strauchdieben befiehlt, mit den neben den Holzbohlenstapeln herumliegenden Spitzhacken einen Bahnhof zu bauen, „und wenn das Ding noch so beschissen ist“; denn mit einem Bahnhof finge alles an. Als ich die Gedichte meiner Mutter abtippte, im Zehnfingersystem, das ich 1968, als dieser Film in die Kinos gekommen war, gelernt hatte, begann auch für mich alles; jedenfalls all der Schlamassel mit meiner beschissenen Prosa.
- Wieder ein betrübter Tag.
25.11.2002

24
Nov

Bild: Peter Waibel

Peter-WaibelRIMG0001

23
Nov

23.11.2002

Im Herbst von 1983 war ich mit meiner Nervenkraft so ziemlich am Ende. Till hatte sich distanziert, sein gleichgültiges Verhalten machte mich rasend; ich hatte auf den Beginn einer sogenannten Beziehung gehofft und war schwer enttäuscht, aber eine nähere Vertrautheit konnte und wollte er nicht riskieren, und ich war ja vielleicht auch gar nicht dafür geeignet. Weder er noch ich hatten Erfahrungen in guten schwulen Angelegenheiten, und meine praktischen Erkenntnisse davon waren durchweg negativ geprägt gewesen; und: „Du hast ja nie Zeit“, hatte er eines Abends im Kinofoyer, als er gekommen war, um mich zu fragen, wann endlich ich an diesem Abend mit dem Arbeiten aufhören würde, zu mir gesagt. Der Job fraß mir Lebensmöglichkeiten weg, und das für eine Geldentlohnung, die so lächerlich war, daß ich die Summe des monatlichen Salärs hier nicht angeben kann, ohne mich der endgültigen Lächerlichkeit preiszugeben.
- Novembergrau.
23.11.2002

22
Nov

Bild: Peter Waibel

waibel-21
Klaus-Dieter Diedrich (1951-2006): "Die Biberacher Zeit"

Suche

 

Kürzlich kommentiert

Ein wichtiges Projekt!
Als Biberacher, der K.D. kannte und als bekennender...
Tadellöser - 20. Dez, 13:02

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Statistisches & Linksphäre

Linksphäre:
Wer linkt hierher?

Besucherzahl:

Besucher-Statistik

Credits

Status

Online seit 6692 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 20. Dez, 13:02

biographie
galerie
impressum und (c)
projekt-info
widmung
KD
prolog
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren