20.7.2002
„Vorgestern“, „gestern“, „vor langer Zeit“, „vor zwanzig Jahren“, „zwei Jahre danach“, „in den achtziger Jahren“, „in der Kindheit“, „später“, „in der darauf folgenden Zeit“ – alle diese Zeitbestimmungen, die sich „inzwischen“ angehäuft haben, und sie werden sich vermehren, bezeichnen Orte im temporären Labyrinth, das meine Aufzeichnungen bilden mögen; und bilden sollen. Diese Führung durch ein Leben, das sich aus freundlicher und bitterer Erinnerung in das schemenhafte Dasein der Verschriftlichung heraufbildet, kommt vielleicht jenen, die dieser Lektüre noch immer etwas abgewinnen können, als eine wirre Kreuzfahrt durch eine Welt und Welterfahrung vor, die im „wirklichen Leben“ ihren Kreuz-und quer-Gang als realistisches Pendant gehabt habe (man darf sich fragen, ob der Ausdruck „wirkliches Leben“ seit seinem Aufkommen nie etwas anderes als eine Hohlform für eine Unzulänglichkeit ist, für das Unbehagen an der paradoxen Denkform der wissenschaftlichen Ahnung, die es nicht geben dürfte, doch ein Teil der nüchternen Rationalität bleibt und sie mit einer abenteuerlichen Ingredienz würzt, und in die die Unzulänglichkeit, das wahre Leben erkennen und leben zu können, so gut hinein paßt, daß noch Raum für viele Spekulationen bleibt); dem ist nicht so, denn mein Leben entwickelte sich – leider – gar nicht sprunghaft, sondern geriet in eine Zwangsläufigkeit hinein, die diesem Eindruck, wie er sich nun im Lesen ergeben kann, ganz gegensätzlich war. Dies geschah jedoch durchaus auf Seitenwegen und nicht auf den Autobahnen und Hauptstraßen, über die die Vielen, die gerne eine Mehrheit haben, in ihrem Gefährt der Typenbezeichnung „Karriere“ karren. In einer dieser Biberacher Seitenstraßen vollzog sich dann der erwähnte Unfall, dem wenig Zufälliges eignete, sondern der seinerseits schon das Ergebnis einer Zwangsläufigkeit war.
- Trüb, regnerisch; vormittags Sonne.
20.7.2002
- Trüb, regnerisch; vormittags Sonne.
20.7.2002
20.07.